Colearning Basecamp
Level 2 · Probezeit

Erste Rechnung

Zum ersten Mal echtes Geld verdienen: ein:e echte:r Kund:in, ein echter Auftrag, eine echte Rechnung – klein anfangen, aber echt.

Was ist das?

Die Erste Rechnung ist der Moment, in dem das Lernunternehmen real wird. Kein Planspiel, keine Simulation – ein:e echte:r Kund:in bezahlt echtes Geld für echte Arbeit.

Welche Arbeit das ist, entscheidest du selbst: Webseite bauen, Fotos machen, etwas reparieren, einen Workshop geben, Texte schreiben, ein Event organisieren – oder etwas, das es noch keinen Namen für gibt. Was zählt: Die Leistung ist echt, der Auftrag ist echt, und du nimmst ihn an.

Zur Ersten Rechnung gehören drei Schritte:

  1. Ein Angebot machen: Was bietest du an – und was kostet es?
  2. Den Auftrag ausführen: Die Arbeit tun, wie vereinbart.
  3. Die Rechnung stellen: Schriftlich, mit Betrag, Kontonummer und Datum.

Klein anfangen ist kein Mangel. Es ist das Richtige.

Warum gibt es das?

Das Basecamp ist eine unternehmerische Ausbildungszeit. Das heisst: Wer hier lernt, schafft auch echten Wert. Nicht irgendwann – jetzt, in der Probezeit, mit dem ersten kleinen Auftrag.

Der erste eigene Preis ist einer der lehrreichsten Momente dieser ganzen Zeit. Man merkt, was die eigene Arbeit wert ist – nicht als abstrakte Zahl, sondern als Reaktion eines echten Menschen. Wer «ja, ich zahle das» sagt, sagt auch: Du hast mir etwas gegeben, das mir etwas bedeutet.

In der Schweiz ist das rechtlich unkompliziert: Ein Einzelunternehmen entsteht formlos mit der Aufnahme der Geschäftstätigkeit. Wer urteilsfähig ist und die Zustimmung der Eltern hat, kann in eigenem Namen Rechnungen stellen – ohne Gründungsakt, ohne Handelsregister (Eintragspflicht erst ab CHF 100'000 Jahresumsatz). Was von Anfang an zählt: Einnahmen und Ausgaben sauber dokumentieren – fürs Portfolio sowieso, und als Grundlage für alles, was folgt.

Wie geht es konkret?

  1. Idee und Angebot. Was kannst du anbieten? Was würde jemand wirklich bezahlen? Dein:e Mentor:in und die Kompliz:innen im Netzwerk helfen dir, die Idee zu schärfen und einen ersten Preis zu finden. Zu tief ist genauso lehrreich wie zu hoch – beides gibt dir Daten.
  2. Kund:in finden. Die erste Kund:in lebt oft näher, als du denkst: im Effinger, im Netzwerk deiner Mentor:in, in deiner Nachbarschaft. Die Kompliz:innen öffnen dir Türen.
  3. Auftrag klären. Was genau lieferst du? Bis wann? In welcher Form? Kurz aufschreiben genügt – das schützt beide Seiten und übt die Klarheit, die später bei grösseren Projekten zählt.
  4. Arbeit tun. Das ist dein Teil. Du entscheidest, wie du vorgehst.
  5. Rechnung stellen. Dein Name, die Leistung, der Betrag, deine Bankverbindung, das Datum. Fertig. Keine Mehrwertsteuer, kein Handelsregister – du bist unter den Schwellenwerten.
  6. Einnahmen dokumentieren. Betrag, Datum, Kund:in – eine Zeile in deiner Tabelle oder deinem Notiz-Tool. Das ist deine Buchhaltung, und sie gehört ins Portfolio.
Danach liegt eine verschickte Rechnung in deinem Portfolio – und der Beweis, dass du echten Wert geschaffen hast.
Für Einführende

Wer führt ein?

Mentor:in und Kompliz:innen (Konzept 5.5). YOLU und Kompliz:innen aus dem Netzwerk (Jurist:innen, Treuhänder:innen, Gründer:innen) sind verfügbar, wenn weitergehende Unterstützung gefragt ist.

Worauf achten?

  • Die erste Hürde ist oft der Preis: Jugendliche setzen ihn zu tief an, weil sie sich den Wert ihrer Arbeit nicht trauen. Das ist normal – es ist das erste Mal. Begleite den Moment, aber entscheide nicht für sie.
  • Der Perfektionismus-Reflex: «Erst wenn ich wirklich gut bin.» Das Gegenteil ist richtig: Gut werden, indem man anfängt. Die Kund:in bekommt echte Leistung, der Auftrag ist klein genug, dass ein Scheitern lernbar ist.
  • Rechtliches nicht übermässig komplizieren: Unter CHF 100'000 Jahresumsatz und ohne AHV-Beitragspflicht (unter 18) ist die Lage einfach. Wenn das Lernunternehmen wächst oder mehrere Personen mitwirken, begleitet YOLU die Klärung (Konzept 8.5). Jetzt reicht: Rechnung raus, Einnahmen notieren.
  • Die Zustimmung der Eltern für die Geschäftstätigkeit klären – das gehört ins Gespräch, nicht ins Kleingedruckte.

Material

  • Einfache Rechnungsvorlage (TODO: Vorlage von YOLU bereitstellen — Stand Pilot 2026)
  • Hinweis auf das 3-Töpfe-Prinzip: Die Beute aus diesem Auftrag wird nach 50/25/25 aufgeteilt – das ist Thema der nächsten Quest «Drei Töpfe»
  • Kontakte zu Kompliz:innen im Netzwerk, die als erste Kund:innen oder als Türöffner:innen wirken können

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